Private UnfallversicherungWie Gliedertaxe und Progression die Leistung bestimmen
Die gesetzliche Unfallversicherung schützt nur bei Arbeits- und Wegeunfällen. Die meisten Unfälle passieren jedoch in der Freizeit und zu Hause. Eine private Unfallversicherung zahlt weltweit rund um die Uhr – allerdings nur bei dauerhaften körperlichen Folgen.
Die Gliedertaxe ist wichtiger als die Versicherungssumme
Viele achten beim Vergleich nur auf die Versicherungssumme. Entscheidend ist aber die Gliedertaxe. Sie ordnet jedem Körperteil einen festen Invaliditätsgrad zu. Der Verlust eines Armes wird beispielsweise mit einem hohen Prozentsatz bewertet, der eines Fingers mit einem niedrigen. Ausgezahlt wird dieser Prozentsatz der Versicherungssumme – nicht die Summe selbst.
Deshalb kann ein Tarif mit einer scheinbar niedrigeren Versicherungssumme, aber besserer Gliedertaxe im Ernstfall mehr zahlen als ein Tarif mit hoher Summe und knapper Taxe. Vergleichen Sie die Werte für Arm, Hand, Bein, Fuß, Auge und Gehör konkret.
Bei teilweisem Funktionsverlust wird anteilig gerechnet. Ist ein Bein nur zur Hälfte in seiner Funktion eingeschränkt, gibt es die Hälfte des für das Bein vorgesehenen Prozentsatzes.
Progression und Grundsumme
Die Progression sorgt dafür, dass die Leistung bei schweren Unfällen überproportional steigt. Bei einer Progression von 500 Prozent zahlt der Versicherer im Fall einer Vollinvalidität das Fünffache der Grundsumme. Bei leichten Beeinträchtigungen wirkt sie sich dagegen kaum aus.
Das ist sinnvoll, denn genau schwere Fälle bedrohen die Existenz: Wohnung umbauen, Auto umrüsten, Beruf aufgeben. Eine Grundsumme von 100.000 Euro mit 500 Prozent Progression führt bei Vollinvalidität zu 500.000 Euro.
Als Orientierung für die Grundsumme gilt etwa das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens, kombiniert mit einer hohen Progression. Für Kinder ohne Einkommen orientiert man sich am Bedarf für lebenslange Hilfe und Umbauten.
| Situation | Gesetzliche Unfallversicherung | Private Unfallversicherung★ Empfehlung |
|---|---|---|
| Unfall am Arbeitsplatz | ja | ja |
| Unfall auf dem direkten Arbeitsweg | ja | ja |
| Sturz beim Sport in der Freizeit | nein | ja |
| Unfall im eigenen Haushalt | nein | ja |
| Unfall im Urlaub im Ausland | nein | ja |
| Folgen einer Krankheit | nein | nein |
Sinnvolle Bausteine
Unfallrente: Eine monatliche Zahlung ab einem bestimmten Invaliditätsgrad, meist ab 50 Prozent. Sie ergänzt die einmalige Kapitalleistung um dauerhafte Liquidität und ist gerade bei schweren Fällen wertvoll.
Erweiterter Unfallbegriff: Gute Tarife schließen Eigenbewegungen ein, etwa einen Bandscheibenvorfall beim Heben, sowie Bewusstseinsstörungen und erhöhte Kraftanstrengung. Ohne diese Erweiterung lehnen Versicherer solche Fälle regelmäßig ab.
Bergungskosten und kosmetische Operationen: Rettungseinsätze im Gebirge oder eine Narbenkorrektur nach einem Gesichtsunfall können hohe Beträge erreichen.
Übergangsleistung und Krankenhaustagegeld: Sie überbrücken die Zeit, in der noch nicht feststeht, ob eine dauerhafte Beeinträchtigung bleibt.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Weltweiter Schutz rund um die Uhr, auch in der Freizeit
- Vergleichsweise günstig und meist ohne umfangreiche Gesundheitsprüfung
- Kapitalleistung ist frei verwendbar, etwa für Umbauten
Nachteile
- Zahlt nur bei dauerhaften Unfallfolgen, nicht bei vorübergehender Verletzung
- Krankheitsbedingte Einschränkungen sind nicht versichert
- Leistungshöhe hängt stark von Gliedertaxe und Bedingungen ab
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